Mobilorientiert: Kleine Bildschirme sind gar nicht so klein
Entdecke, wie Personen psychisch und körperlich auf Werbeanzeigen reagieren, die sie auf einem Smartphone bzw. auf einem Fernsehgerät sehen.
INHALTE
Heutzutage rufen Personen wann und wo immer sie möchten Inhalte auf. Da dieser Prozess nicht nur zuhause über das Fernsehgerät sondern auch unterwegs auf dem Smartphone stattfindet, möchten Marketer sicherstellen, dass ihre Botschaften auf allen Bildschirmen bei der Zielperson ankommen. Um feststellen zu können, ob ihre Werbebemühungen effektiv sind, widmen sich Marketer größtenteils Marktforschungsverfahren, bei denen Personen ihre Gefühle selbst beschreiben müssen. Doch bei diesen Ansätzen stößt man schnell an Grenzen.
Facebook hat SalesBrain, eine US-amerikanische Neuromarketing-Agentur, damit beauftragt, herauszufinden, wie das menschliche Gehirn und der menschliche Körper auf identische Reize reagiert, wenn Personen diesen auf unterschiedlichen Geräten – Smartphones im Vergleich zu Fernsehgeräten – ausgesetzt werden.
Heutzutage rufen Personen wann und wo immer sie möchten Inhalte auf. Da dieser Prozess nicht nur zuhause über das Fernsehgerät sondern auch unterwegs auf dem Smartphone stattfindet, möchten Marketer sicherstellen, dass ihre Botschaften auf allen Bildschirmen bei der Zielperson ankommen. Um feststellen zu können, ob ihre Werbebemühungen effektiv sind, widmen sich Marketer größtenteils Marktforschungsverfahren, bei denen Personen ihre Gefühle selbst beschreiben müssen. Doch bei diesen Ansätzen stößt man schnell an Grenzen. Binde Neuromarketing mit ein, bei dem es sich laut der Neuromarketing Science and Business Association, dem internationalen Verband für Neuromarketing als Wissenschaft und Unternehmensaspekt, um „das systematische Sammeln und Interpretieren von neurologischen und neurophysiologischen Eindrücken von Einzelpersonen mithilfe verschiedener Protokolle handelt, mit denen Forscher nonverbale und unbewusste physiologische Reaktionen auf verschiedenste Reize zum Zwecke der Marktforschung untersuchen können.“ Obwohl dieser Marktforschungsansatz noch in den Kinderschuhen steckt, bietet Neuromarketing Marketern einen direkten Einblick darin, wie Personen körperlich auf Reize reagieren, wodurch sie sich nicht mehr einzig und allein darauf verlassen müssen, dass Personen ihre durch die Reize ausgelösten Gefühle selbst beschreiben können.
Facebook hat SalesBrain, eine US-amerikanische Neuromarketing-Agentur, damit beauftragt, herauszufinden, wie das menschliche Gehirn und der menschliche Körper auf identische Reize reagiert, wenn Personen diesen auf unterschiedlichen Geräten – Smartphones im Vergleich zu Fernsehgeräten – ausgesetzt werden. Der Schwerpunkt der Studie lag darauf, herauszufinden, wie das Gehirn auf vier Kernbereiche reagiert: Interaktion, Aufmerksamkeit, Emotionen und Kundenbindung. Vor Kurzem haben wir mit Helen Crossley, Head of Audience Insights für Facebook IQ, Dr. Christophe Morin, Gründer und CEO von SalesBrain, und Dr. Paul Zak, Präsident von ZESTxLabs, gesprochen, um die Methodik hinter der Studie, die Ergebnisse und deren Bedeutung für Marketer zu verstehen. Im Folgenden kannst du dir einige überarbeitete Ausschnitte unserer Unterhaltung ansehen. Paul Zak, Präsident von ZESTxLabs, gesprochen, um die Methodik hinter der Studie, die Ergebnisse und deren Bedeutung für Marketer zu verstehen. Im Folgenden kannst du dir einige überarbeitete Ausschnitte unserer Unterhaltung ansehen.
F: Welches Ziel sollte mit einer neurowissenschaftlichen Forschungsstudie erreicht werden?
Helen: Vor Kurzem führte Facebook IQ eine ausschlaggebende Studie dazu durch, wie Personen Momente, die sie für wichtig halten auf Facebook und Instagram teilen und darauf reagieren. Dabei stellten wir fest, dass wir uns im Zeitalter der Mobilgeräte von pompösen und längeren Momenten, die von den Medien und der Marketingindustrie produziert werden, wegbewegen und uns in einer Situation wiederfinden, in der Personen jeden einzelnen der 365 Tage im Jahr ihre eigenen Momente en masse erstellen und konsumieren. Die Tatsache, dass Personen jeden Tag so viele Momente verarbeiten, gab uns Anlass dazu, herauszufinden, auf welche Art und Weise sie diese Momente eigentlich verarbeiten –physiologisch und neurologisch – und wie sich dieser Verarbeitungsprozess je nach Bildschirm ändert.
F: Wie lassen sich mit der Neurowissenschaft Fragen beantworten?
Dr. Morin: Indem wir nachverfolgen, wie das menschliche Gehirn und das Nervensystem auf Werbung reagieren, können wir objektive Messdaten aufzeichnen, denen wir vertrauen, die wir verstehen und mit denen wir den Effekt von Werbung vorhersagen können.
F: Wie sah ihr Studienansatz aus?
Dr. Zak: Soweit wir wissen, handelte es sich bei dieser neurowissenschaftlichen Studie, bei der das Ansehen von Werbeanzeigen auf Mobilgeräten mit dem Ansehen von Werbeanzeigen auf Fernsehgeräten verglichen wurde, um die erste ihrer Art.
Helen: Mithilfe von Dr. Zak und Dr. Morin wollten wir mit dieser Studie ein Werbeerlebnis kreieren, das der Realität, wie Personen Werbeanzeigen auf einem Smartphone und auf einem Fernsehgerät ansehen, so nah wie möglich kommt. Wir bauten eine Testumgebung auf, in der Teilnehmer beim Ansehen einer Fernsehserie oder beim Scrollen durch einen Facebook-News Feed einen Reiz sahen. Morin wollten wir mit dieser Studie ein Werbeerlebnis kreieren, das der Realität, wie Personen Werbeanzeigen auf einem Smartphone und auf einem Fernsehgerät ansehen, so nah wie möglich kommt. Wir bauten eine Testumgebung auf, in der Teilnehmer beim Ansehen einer Fernsehserie oder beim Scrollen durch einen Facebook-News Feed einen Reiz sahen.
Dr. Zak: Es wurden unterschiedliche neurologische Maßnahmen ergriffen, um von den 70 freiwilligen Teilnehmern unbewusste Antworten zu erhalten. In den Räumen von ZESTxLabs konnten wir anschließend autonome Anzeichen wie Schweißproduktion, Herzfrequenz, Augenbewegung sowie die Gehirnaktivität mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) messen, während Personen einen Reiz auf einem Smartphone bzw. einem Fernsehgerät sahen.
Helen: Wir haben die Teilnehmer außerdem befragt, um feststellen zu können, ob sie sich an die Botschaft des Reizes erinnern können, den sie auf dem Smartphone oder dem Fernsehgerät gesehen haben.
F: Wie wurden die Teilnehmer dem Reiz ausgesetzt?
Dr. Zak: Die Teilnehmer wurden nach Alter und Geschlecht willkürlich in zwei Gruppen aufgeteilt. Daraufhin unterzogen wir die Teilnehmer zunächst einer Grundmessung. Anschließend sah sich jede Gruppe eine Reihe von Reizen in Form von Werbeanzeigen an, bei denen es sich unter anderem um Filmvorschauen und Markenwerbung handelte, die von 30 bis 120 Sekunden unterschiedlich lang waren. Gruppe 1 sah sich den Reiz zuerst auf einem Fernsehgerät und anschließend auf einem Smartphone an. Gruppe 2 führte die gleichen Handlungen wie Gruppe 1 durch, allerdings sahen sich diese Teilnehmer die Werbeanzeigen zuerst auf einem Smartphone und anschließend auf einem Fernsehgerät an.
Experimenteller Aufbau
TV-
Aussetzung
Grund-
messung
→
TV-
Serie
→
Reize
Durchgehende neurologische Messung (Körperreaktionen, EEG und Blickerfassung)
Mobilgeräte-
Aussetzung
Grund-
messung
→
Facebook-
News Feed
→
Reize
F: Wie war es möglich, die Reaktionen der Teilnehmer auf die Reize, die auf den einzelnen Bildschirmen angezeigt wurden, zu analysieren und daraus Ergebnisse zu gewinnen?
Dr. Morin: Wir haben ein Verfahren gefunden, mit dem wir diese Daten verarbeiten und anschließend Berechnungen und Vorsagen dazu treffen konnten, wie Personen in den kortikalen und subkortikalen Strukturen des Gehirns Informationen verarbeiten.
Dr. Zak: Die Messungen, die sich in den physiologischen und neurologischen Messverfahren sammeln lassen, also beispielsweise eine veränderte Herzfrequenz oder eine veränderte EEG-Kurve, werden in Zusammenhang mit proprietären Analysealgorithmen namens Zak Engagement Statistic (ZEST) analysiert.
Dr. Morin: Mithilfe des EEGs konnten wir die Gehirnströme analysieren und dadurch feststellen, wie viel Aufmerksamkeit Personen einer Werbeanzeige schenkten, welche Art von Werbung sie bevorzugen und wie sehr sie Reizen weiterhin ausgesetzt sein oder diese beenden möchten.
F: Welche Aussagen können dank dieser Analyse dazu getroffen werden, wie Personen Werbeanzeigen auf einem Smartphone und auf einem Fernsehgerät verarbeiten?
Helen: Insgesamt waren Personen aufmerksamer und reagierten positiver auf Informationen, die ihnen auf einem Smartphone und nicht auf einem Fernsehgerät präsentiert wurden. Beim Fernsehschauen war das Gehirn der Probanden abgelenkter und musste sich bei der Verarbeitung der Informationen mehr anstrengen. Insgesamt konnten wir feststellen, dass bei der emotionalen Intensität und der Interaktion das Smartphone und das Fernsehgerät gleichauf lagen. Allerdings lagen die Aspekte Emotionen und Interaktion auf Smartphones bei einigen Werbeanzeigen um einiges vor dem Fernsehgerät. Die Teilnehmer waren bei der Smartphone-Aussetzung genauso interaktiv wie bei der Fernsehgerät-Aussetzung.
Bei einer zusätzlichen Untersuchung innerhalb der neurologischen Studie konnten wir feststellen, dass sich die Teilnehmer vermehrt an die Botschaft erinnern konnten, wenn sie die Reize zuerst auf dem Fernsehgerät und anschließend auf einem Smartphone gesehen hatten.
Neurologische Messwerte beim Ansehen von Reizen auf einem Smartphone vs. auf einem Fernsehgerät
Mobilgeräte liegen über Fernsehgeräten
Fernsehgeräte liegen über Mobilgeräten
Aufmerksamkeit1
Ablenkung1
Emotionale Intensität
Durchgehende neurologische Messung (Körperreaktionen, EEG und Blickerfassung)
Sprechen darauf an2
Kognitive Belastung1
Interaktion
F: War mit diesen Ergebnissen zu rechnen?
Dr. Morin: Wir haben nicht erwartet, dass das Ansehen auf einem Smartphone vermehrte positive Emotionen hervorbringen würde. Das war überraschend. Eigentlich würde man aufgrund des größeren Bildschirms beim Fernsehgerät erwarten, dass dieser bei Personen eine positivere emotionale Reaktion erzeugen würde.
Wir haben Grund zur Annahme, dass unsere neurologischen Systeme für eine Reaktion auf das Sehen eines Reizes kein großartiges Erlebnis benötigen. Eher scheint es so, dass je mehr Daten wir gefühlsmäßig ausgesetzt sind, sich unser Gehirn desto mehr anstrengen muss. Daher ist das Smartphone aufgrund seiner Größe möglicherweise ein effizienteres, weniger kräftezehrendes Erlebnis.
F: Was können wir insgesamt aus dieser Studie lernen? Gab es einen eindeutigen Unterschied zwischen den Bildschirmen?
Dr. Morin: Wir kommen zu dem Schluss, dass das Ansehen auf einem Smartphone insgesamt immersiver ist, als auf einem Fernsehgerät. Eine Werbeanzeige, die auf einem Smartphone abgespielt wurde, übertraf sowohl bei der Aufmerksamkeit als auch bei positiven Emotionen – sowie bis zu einem bestimmten Ausmaß auch bei der Interaktion, was überaus beachtenswert ist, – die Reaktion, die mit der gleichen Werbeanzeige auf einem Fernsehgerät erzielt wurde.
Helen: Außerdem zeichneten sich bereits erste Ergebnisse über den komplementären Effekt der zwei Bildschirme ab. Als wir die auf die Tests folgende Umfrage auswerteten, stellen wir fest, dass sich ein Teilnehmer besser an die vermittelte Botschaft erinnern konnte, wenn er einen Reiz erst auf einem Fernsehgerät und dann auf einem Smartphone gesehen hatte. Marketer können also die sich aus ihren Werbebemühungen ergebende Kundenbindungsrate erhöhen, indem sie kanalübergreifende Anreize erstellen.
F: Wie lautet das Fazit für Marketer, die über Neuromarketing nachdenken und darüber, wie sich mit diesem Ansatz ihre Werbestrategien verbessern lassen?
Helen: Ich denke, dass wir bald schon dazu in der Lage sein werden, Marketern zu verstehen geben zu können, welche Rolle die Neurowissenschaft bei der Marktforschung spielen kann. Bereits diese erste Studie hat uns gezeigt, dass es noch viele weitere Möglichkeiten gibt, zu untersuchen, wie das menschliche Gehirn, vom Standpunkt des Neuromarketings aus gesehen, auf Werbung reagiert und diese verarbeitet.
Dr. Zak: Werbung ist ein faszinierendes Studienobjekt, denn es geht hier um Geschichten, und unser Gehirn liebt gute Geschichten. Wir werden von guten Geschichten zu Handlungen inspiriert. Die Neurowissenschaft, angewandt auf den Bereich Marketing, hat meiner Meinung nach einen großen Vorteil: Wir müssen uns nicht auf unsere Intuition, unsere Vorstellungen oder unsere Gefühle verlassen. Nein, wir können einfach testen. Und die Ergebnisse dieser Tests sind authentisch. Sie lassen sich anwenden.
F: Wie sollten Marketer ihre Strategien für Mobilgeräte angehen?
Helen: Sie sollten auf keinen Fall Mobilgeräte außer Acht lassen. Da wir uns rein körperlich sehr nah am Mobilgerätebildschirm befinden, nehmen wir auch die Gerätegröße anders wahr. Das Gerät zieht unsere Aufmerksamkeit in seinen Bann und die Inhalte, die uns auf dem Bildschirm gezeigt werden, wecken positive Gefühle in uns, was für Marketer eine Möglichkeit darstellt, sich mit Personen zu verbinden.
Maximiere deine Botschaft. Erstelle Kampagnen, die nicht nur die richtigen Sinne, sondern auch die richtigen Bildschirme ansprechen. Sprich mit effizienteren Botschaften, bei denen die wichtigsten Punkte der Botschaft innerhalb der ersten zehn Sekunden gezeigt werden, und durch die Erstellung von kanalübergreifenden Erlebnissen, mit denen du deine Reichweite erhöhen kannst, Personen an, die viel Wert auf Mobilgeräte legen.
Und teste deinen Ansatz. Verwende eine Kombination aus Marktforschungsmethoden, um die Effektivität deiner Kampagne zu verstehen. Durch die Abstimmung von Geschäftszielen und Kampagnenansatz können Marketer ihre Marketingstrategien für Mobilgeräte evaluieren und verfeinern und auf diese Weise die richtigen Personen erreichen.
Video: Dr. Morin und Dr. Zak in „Neuro Mobile“ (2:49) Morin und Dr. Zak in „Neuro Mobile“ (2:49)
Quelle: „Neuro Mobile“ von SalesBrain (eine von Facebook in Auftrag gegebene Umfrage unter erwachsenen US-Amerikanern), Mai 2015.
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